Klimakrise: Nichts tun wird teuer

Brandschwarze Wolken ziehen am Horizont auf, der Wind bläst immer stärker und plötzlich goss es in Strömen vom Himmel. Danach folgten ein starker Hagelsturm und Überschwemmungen, wie es sie schon seit Jahren nicht mehr gegeben hat in Zug. Die Feuerwehren und die Polizei im Kanton Zug hatten eine strenge Nacht und mussten unzählige Keller auspumpen, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Vielleicht ging es Ihnen am vergangenen Montag auch wie mir: die Balkonkräuter waren danach arg zerfetzt und ich verbrachte den Rest des Abends mit aufräumen. Auch wenn dieses einzelne Wetterereignis grundsätzlich auch vor 40 Jahren möglich gewesen wäre; Klimatologinnen und Klimatologen gehen davon aus, dass extreme Wetterereignisse wie der besagte Sturm in Zukunft häufiger auftreten werden. Solche Stürme sind nicht nur eine Gefahr für Leib und Leben, sondern verursachen auch massive Kosten in Milliardenhöhe. Als Alpenland in Mitteleuropa sind wir von der Veränderung des Klimas besonders stark betroffen. Hierzulande hat sich die Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Zeit um rund 2 Grad Celsius erhöht – gut doppelt so viel wie im weltweiten Durchschnitt.

Anstatt jedoch über die Kosten des Klimawandels zu diskutieren, sprechen wir in der Schweiz momentan viel mehr über die Kosten, welche die Klimaschutzmassnahmen selbst verursachen könnten. Die Angst vor höheren Kosten war wohl auch eines der Hauptgründe, welche schlussendlich zur Ablehnung des CO2-Gesetzes am 13. Juni geführt hatten. Vergleicht man Kosten der ökologischen Transformation und dem  Klimawandel, wird klar, dass Nichtstun gegen die Klimakrise in Zukunft viel teurer werden wird. Bereits heute gibt die öffentliche Hand in der Schweiz 400 Millionen Franken pro Jahr für Hochwasserschutz aus – Tendenz steigend. Hinzu kommen weitere 440 Millionen Franken im Jahr für Schäden und Versicherungsleistungen nach Unwettern. Hitzewetter, schlechtere Luft und verunreinigte Gewässer verursachen zudem Gesundheitskosten in Milliardenhöhe. Auch die Landwirtschaft leidet unter langen Trockenperioden. So führten die Dürren im Hitzesommer 2003 und 2018 zu Milliardenschäden im Pflanzenbau und die Bilder wie Alpkühe mit dem Helikopter mit Wasser versorgt werden mussten gingen um die Welt. Auch der Schweizer Tourismus, welcher immerhin 2.6 Prozent unseres Bruttoinlandproduktes ausmacht, würde massiv unter einem weiteren Temperaturanstieg leiden.

Die wahre Gefahr für unsere Wirtschaft sind nicht Massnahmen für den Klimaschutz, sondern untätiges Nichtstun. Dies sieht beispielsweise auch der Schweizer Rückversicherer Swiss-Re so, welcher die Klimakrise als grösste Gefahr für die Weltwirtschaft einstuft. Auf eine fossilfreie und nachhaltige Zukunft zu setzen, ist also nicht nur eine ethische Frage, sondern auch eine Frage der ökonomischen Vernunft. Persönlich bin ich zwar der Meinung, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen nicht mit finanziellen Mitteln aufzuwiegen ist. Es geht schliesslich um die Zukunft von uns allen. Aber auch diejenige, welche ökonomische Rechnungen bevorzugen, haben gute Argumente in der Hand, um auf eine konsequente und schnelle Senkung des CO2-Ausstosses zu pochen. Möglichst schnell auf Nettonull zu kommen, verursacht schlussendlich die tiefsten Kosten für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Wenn wir vorwärtskommen wollen, müssen wir endlich langfristig und nachhaltig ökonomisch denken.

Diese Kolumne ist am 26.06 in der Zuger Zeitung erschienen 

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